„Die Rolle des Helfers in der Suchtselbsthilfe“ (Andrej Singer)
Fortbildungswochenende Lützensömmern vom 21.-23. November 2025
Das letzte Fortbildungswochenende 2025 begann Freitagabend, wie üblich, mit einer Vorstellungsrunde der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie des Referenten.
Jedes Mitglied einer Suchtselbsthilfegruppe, jeder und jede Aktive in der Suchtselbsthilfe, erst recht jeder Lotse und jede Lotsin im Lotsennetzwerk Thüringen sind in der Rolle des Helfers. Die Aufgabe von Helfern in der Suchtselbsthilfe ist von entscheidender Bedeutung und beinhaltet eine Vielzahl von Aspekten: Die Begleitung und wertvolle Unterstützung auf dem Weg zur Genesung und hierfür der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zu den Hilfesuchenden, die von Empathie und Verständnis geprägt ist.
Am Samstag wurden in Interaktion zwischen Referenten und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie in kleinen Arbeitsgruppen erarbeitet, wie ein Bewusstsein für die eigenen und die Grenzen der hilfesuchenden Person entwickelt werden kann, um eine Überforderung zu vermeiden und die Integrität der Beteiligten zu wahren.
Um wirksame Hilfe leisten zu können, wurde als wichtig erarbeitet zu erfragen, welche Hilfe gewünscht wird und dann zu entscheiden, ob man sie leisten kann. Manche angebotene Hilfe wird vom Hilfesuchenden als übergriffig empfunden und löst Rückzugsreflexe aus. Hierzu zählt auch eine ungebetene Verantwortungsübernahme. In den Arbeitsgruppen wurden aus eigenen Erfahrungen und neuen Erkenntnissen, die von Herrn Singer vermittelt wurden, Begrifflichkeiten gesammelt, die mit einem positiv wahrgenommenen Hilfsangebot in Zusammenhang stehen. Z.B.: Fragen und Zuhören, Handeln aus Empathie statt Mitgefühl, Selbstfürsorge, Zeit nehmen bei einer eingeforderten Hilfe, Selbstverantwortung fördern, Hilfe zur Selbsthilfe etc.
Um eine Hilfe-Situation für sich zu entWERTEN, sind folgende Sätze hilfreich: „Es ist, wie es ist!“, „Ich bin, wie ich bin!“ und „Du bist, wie du bist!“ Und meine Gedanken formen meine Realität, für mich die einzige Realität. Sie stimmt nicht mit deiner überein. Diese Erkenntnisse helfen bei der Bewertung der Hilfe und des Handelns.
Am Sonntag wurden uns die Aufgaben und Wirkungsweisen der verschiedenen Bereiche unseres Gehirns anhand von Beispielen und unter Mitarbeit einiger Teilnehmer und Teilnehmerinnen nähergebracht. Welche Erfahrungen aus dem Kindesalter beeinflussen unser Handeln im Jetzt? Wie wirkt sich eine sofortige Bedürfnisbefriedigung im Kindesalter auf die eventuelle Entwicklung einer Abhängigkeitserkrankung aus? etc.
Insgesamt war dieses Weiterbildungswochenende sehr intensiv, sowie sehr lehr- und hilfreich für unsere Arbeit in der Suchtselbsthilfe. Hilfe nach dem Grundsatz „Ich weiß, was du brauchst!“ ist keine. Und die „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist unser vorrangiges Angebot.
Eine Fortführung bzw. Vertiefung dieses Themas wird gewünscht.
Wolfgang Kuhlmann
Betreuer und Teilnehmer
